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Unsere Boxer

Buntes Nationen-Gewimmel "LVZ 14.12.07"

Fast schon wie Regina Halmich:

Beim Training im Ring werden Stefanie Lange (r.) und Helen Klaus von ihren Sportskameraden angefeuert. Foto: Ralf Zweynert

Manchmal einfach ein bisschen „die Wut rauslassen“
Buntes Nationen-Gewimmel und tolles Miteinander beim Boxer-Nachwuchs des SV 1919 Grimma

Grimma. „Grundstellung! – Boxhaltung! – Links, rechts!“ Die zehn Jungen und zwei Mädchen stehen leicht nach vorn gebeugt. Mit Konzentration auf die Worte ihres Trainers Thomas Eckel. Manche mit dem Blick auf einen imaginären Gegner, wenn sie kraftvoll ins Leere vor sich schlagen. Vom Alter her eine bunt gemischte Sportler-Truppe – sieben bis 19 Jahre. Und vor allem ein buntes Nationen-Gewimmel, das zum Nachwuchs der Boxer beim SV 1919 Grimma gehört. Der Iraker Leth Hussin und der Türke Saimen Unal kommen als erste zum Training ins Untergeschoss vom Soziokulturellen Zentrum in der Colditzer Straße. Saimen ist seit etwa drei Monaten dabei, Leth erst einige Wochen. „Ich brauche eine Sportart, wo ich mal einfach so meine Wut rauslassen kann“, sagt der türkische Junge, der in die Wallgraben-Mittelschule geht und dort im vergangenen Schuljahr die Sportförderklasse besuchte. „Er macht sich gut, will unbedingt in den Ring“, lobt die 19-jährige Stefanie Lange, die in der Trainingsgruppe schon die längsten Erfahrungen hat, ihren Sports-Kameraden. Ebenso wie bei ihrer bislang einzigen weiblichen Gegnerin, der elfjährigen Helen Klaus, hält Stefanie mit „faustdicken“ Tipps auch bei den Jungen nicht hinterm Berg und gibt manchen guten Ratschlag. Dass das mit dem „Wut-Rauslassen“ höchstens beim Training erlaubt ist, macht Thomas Eckel immer wieder verständlich, und die Jungs und Mädchen wissen auch genau, dass sie sich keinen Ausrutscher leisten können. „Was war heute los, warum musstest du zum Schulleiter“, fragt der Trainer einen der Jungen. Immerhin ist Eckel auch Schulclubleiter in der Mittelschule und kriegt mit, wenn seine „Schäfchen“ mal irgendwie ausflippen. Mittlerweile füllt sich der Trainingsraum. Der 13-jährige Amir und der elfjährige Faisal kommen mit ihrem Vati. „Wenn ich Zeit habe und es meine Arbeit bei Panda-Möbel erlaubt, gucke ich schon gern mal meinen Jungs zu“, sagt der Iraker Raad Kamil. Zu ihnen gesellen sich der 15-jährige Farhad, der aufs Gymnasium St. Augustin geht, und Achmad, der mit acht Jahren zu den Box-„Küken“ gehört. Beide sind aus Afghanistan und schon einige Monate mit beim Boxen. „Ich habe erst Fußball gespielt, wollte dann aber was anderes machen“, erklärt Achmad sein Faible für den Faustkampf. Zinar, zehn Jahre alt, und der kleine siebenjährige Nizar – beide aus Kurdistan – vervollständigen schließlich die Runde, und das Training kann losgehen. „Schlaghand im Stand! – Deckung! – Links, rechts!“ Nizar, der Kleinste, fragt, ob er mal auf Toilette darf. „Hab mich schon gewundert, dass du heute so lange ausgehalten hast“, lacht der Trainer und macht mit den anderen elf weiter.
Silke Hoffmann

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Boxen in Delitzsch LVZ 08.05.07

Kann schon wieder lachen:

Heike Hofmann (SV 1919 Grimma) trainiert für den nächsten Kampf - Foto: Andreas Rücker

Grimmaer in Delitzsch dabei
Delitzsch. Zum Maiboxen in Delitzsch hatte auch der SV 1919 Grimma eine kleine Delegation Faustkämpfer geschickt. Für Antonio Meier, Robin Brauner, Daniel Bach und Heike Hofmann war es das erste Mal, dass sie im Ring einem unbekannten Gegner gegenüber standen. Bisher hatten sich ihre Auftritte nur aufs Sparring konzentriert. Der Abteilungsleiter Boxen, Wolfgang Bludau, war selbst mitgefahren, um seine Leute zu sehen und anzufeuern. Vom Kampfstil war er etwas enttäuscht. Dafür beeindruckte den ehemaligen Faustkämpfer aber das Durchhaltevermögen der Grimmaer. „Obwohl alle verloren haben, die haben im Ring was ausgehalten, haben Mut bewiesen und die Sache durchgestanden. Meine Hochachtung“, sagte er. Trainer Rene Kaufmann wusste mehr zu den Hintergründen der Niederlagen. „Die haben allesamt gegen Boxer gekämpft, die schon etliche Kämpfe bestritten und keinen davon verloren haben“, erklärte er. Aber nur so können sich seine Schützlinge etablieren. Der mit Spannung erwartete erste Kampf von Heike Hofmann endete zwar mit einer 1:2-Punktniederlage für die Grimmaerin, doch immerhin hatte sie mit Annika Lindner (Olympia Leipzig) die amtierende Deutsche Vizemeisterin vor den Fäusten. Und wie sie der mit ihren gestochenen geraden Händen zusetzte, begeisterte auch Wolfgang Bludau. „Es war schwer, aber machbar“, sagte Heike Hofmann nach dem Kampf. Und unheimlich aufregend sei es auch gewesen, vor solcher Kulisse zu boxen. Die Ursachen der Niederlage sieht sie in ihrer Kondition. „Ich war krank und habe zwei Wochen nicht trainieren können“, bedauert sie, startet aber gleich die Kampfansage: „Jetzt geht's richtig los.“ Andreas Rücker

 

Keine Hau-drauf-Mädels LVZ 10.05.07

Starke Truppe:

Sophie-Luise Müller, Heike Hofmann, Lisa Datschewski (v. l.) boxen beim SV 1919 - Foto: Andreas Rücker

Lisa, Sophie-Luise und Heike trainieren im Grimmaer Boxstall Grimma. Knallhart fliegen die Fäuste an den Sandsack. Gerötete Gesichter – Boxen ist anstrengend. Das haben Lisa Datschewski und Sophie-Luise Müller erfahren. Seit einem dreiviertel Jahr trainieren die 16-Jährigen beim SV 1919 Grimma. „Wir wollten zusammen Sport treiben und haben ein Plakat vom Boxen gesehen“, verrät Lisa. So entdeckten sie die Liebe zu dem Sport, der spätestens seit Regina Halmich als reiner Männersport ausgedient hat. Auch ihre Mitschüler im Gymnasium St. Augustin („Sie können ruhig Seume-Gymnasium schreiben, weil wir hier oben zur Schule gehen.“) werfen keine scheelen Blicke auf sie. „Na ja, die Jungs ulken ein bisschen rum 'Oh, pass auf, die können boxen'. Aber sie sind interessiert“, sagt Sophie-Luise. Gebrauchen wollen die beiden Mädchen ihre Kenntnisse aber nur im Training, wollen Kondition tanken und fit bleiben. Im Sparring könne man ja auch mal den Trainer verhauen oder die Jungs. Die schlagen nämlich nicht richtig zurück. „Aber wir sind keine Hau-Drauf-Mädels“, meint Sophie-Luise. Während Lisa findet, dass sie doch schon ein bisschen selbstbewusster geworden sind. „Einen Wettkampf wollen wir auf keinen Fall bestreiten“, wehrt sich Sophie-Luise. „Sag niemals nie, aber eher nicht“, meint Lisa. Wettkämpfe überlassen sie dann doch der Dritten im Bunde, Heike Hofmann.Die lässt seit zwei Jahren ihre Fäuste fliegen. Und hatte gerade ihren ersten richtigen Kampf. Knapp verloren – aber das schreckt die 27-Jährige nicht ab. Die gebürtige Grimmaerin hat sieben Jahre in Düsseldorf gelebt, dort Krankenschwester gelernt. „Aber das ist nicht das Richtige“, meinte sie und lässt sich jetzt zur Wirtschaftsassistentin für Fremdsprachen ausbilden. Daneben noch das Training – kann das gut gehen? „Warum nicht? Ich bin zwar nicht verheiratet, habe aber einen Freund, der mir hilft.“ Und ihr Markus hat absolut nichts dagegen, dass seine Freundin boxt. „Obwohl er zu Hause selten etwas zu lachen hat“, lacht Heike und feuert weiter linke und rechte Gerade auf das Wandpolster. Andreas Rücker